Busbranche zwischen Stabilität und wachsendem Druck
 

BDO-KONJUNKTURUMFRAGE

Busbranche zwischen Stabilität und wachsendem Druck

Donnerstag, 05.03.2026

Trotz anspruchsvoller wirtschaftlicher Rahmenbedingungen zeigt sich die Busbranche in Deutschland insgesamt stabil – zugleich nehmen die Belastungen für viele Unternehmen spürbar zu. Das geht aus der aktuellen Konjunkturumfrage 2025/2026 des Bundesverbands Deutscher Omnibusunternehmen (BDO) hervor, die im Rahmen der ITB veröffentlicht wurde. Besonders die Antriebswende sowie steigende Kosten stellen die Unternehmen vor erhebliche wirtschaftliche und strukturelle Herausforderungen.

In der Bustouristik und im Gelegenheitsverkehr startet die Branche grundsätzlich stabil in das Jahr. Positive Impulse kommen aus dem Markt: Die Reiselust der Deutschen bleibt hoch, aktuelle Branchenmeldungen berichten über steigende Zahlen organisierter Reisen, und auch die demografische Entwicklung wirkt sich günstig auf den Bustourismus aus. Gleichzeitig trübt sich der wirtschaftliche Ausblick leicht ein. Für 50 Prozent der Unternehmen blieb die Geschäftslage im Vergleich zum Vorjahr unverändert, 22 Prozent berichten von einer Verbesserung. 28 Prozent melden dagegen eine Verschlechterung. Zudem bewerten 40 Prozent der Bustouristiker ihre Gewinnentwicklung als ungünstiger als zuvor. Auch die Erwartungen für die kommenden Monate sind vorsichtiger: 54 Prozent gehen von einer gleichbleibenden Entwicklung aus, 34 Prozent rechnen mit einer Verschlechterung.

Ein differenziertes Bild zeigt sich im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Die Hälfte der Betriebe bewertet ihre wirtschaftliche Lage als unverändert. Mit 31 Prozent überwiegen jedoch die negativen Einschätzungen gegenüber den positiven (19 Prozent). Auch bei den Umsätzen ergibt sich ein gemischtes Bild: 45 Prozent melden gleichbleibende Erlöse, 31 Prozent verzeichnen Zuwächse und 24 Prozent Rückgänge. Besonders unter Druck steht die Gewinnlage: Bei 47 Prozent der Unternehmen entwickelte sie sich ungünstiger als im Vorjahr. Gleichzeitig bleibt der Handlungsdruck hoch. Aufgrund steigender Kosten und des anhaltenden Fahrpersonalmangels planen 20 Prozent der Unternehmen, ihr Angebot im Jahr 2026 anzupassen oder teilweise einzuschränken.
Im Fernlinienverkehr zeigt sich hingegen weiterhin ein stabiles Marktumfeld. Sechs von zehn Unternehmen bewerten ihre Geschäftslage als unverändert, während sich positive und negative Einschätzungen mit jeweils 20 Prozent die Waage halten. Auch bei den Umsätzen dominiert Kontinuität: 70 Prozent der Betriebe berichten von gleichbleibenden Erlösen.

Segmentübergreifend nennen die Unternehmen mehrere zentrale Herausforderungen. Dazu gehören ein hoher administrativer Aufwand und zunehmende bürokratische Vorgaben, die die betriebliche Entwicklung erheblich belasten. Steigende Energiepreise drücken zusätzlich auf die Gewinnmargen. Hinzu kommen der anhaltende Fahrpersonalmangel sowie die finanziellen und organisatorischen Anforderungen der Antriebswende.

Gerade beim Einsatz alternativer Antriebe fehlen aus Sicht vieler Betriebe derzeit wirtschaftlich tragfähige Rahmenbedingungen für einen flächendeckenden Einsatz im Betriebsalltag. Hohe Anschaffungskosten und Defizite bei der Tank- und Ladeinfrastruktur bremsen den Hochlauf. Zwar sei die Transformation hin zu emissionsarmen und emissionsfreien Fahrzeugen politisch gewollt und klimapolitisch richtig, sie bleibe jedoch eine enorme Investitionsaufgabe für Unternehmen und öffentliche Hand. Entsprechend wichtig seien verlässliche und auskömmliche Förderprogramme. In der Praxis bewerten die meisten Unternehmen die bestehenden Förderungen jedoch als unzureichend: Lediglich 5 Prozent der Betriebe mit ÖPNV-Schwerpunkt halten sie für ausreichend, in der Bustouristik sogar nur 1 Prozent.

Christiane Leonard, Hauptgeschäftsführerin des BDO, erklärt: „Die Busunternehmen in Deutschland zeigen sich auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten bemerkenswert stabil. Sie sichern Mobilität im Alltag, im Fernverkehr und im Tourismus – und sie leisten einen unverzichtbaren Beitrag für Klimaschutz und Daseinsvorsorge. Gleichzeitig spüren wir, dass die Stimmung in der Branche gedrückter wird. Die Belastungen nehmen zu, während die Spielräume kleiner werden.“

Leonard betont weiter: „Die Busbranche könnte deutlich mehr leisten – beim Ausbau des Angebots, bei der Verkehrswende und bei der Stärkung des Tourismusstandorts Deutschland. Aber dafür brauchen die Unternehmen verlässliche, wirtschaftlich tragfähige Rahmenbedingungen und weniger bürokratische Hürden. Wer mehr Mobilität will, muss die Betriebe auch machen lassen.“
Nach Einschätzung des Branchenverbands sind dafür keine Investitionssummen erforderlich, wie sie etwa beim Ausbau der Bahn diskutiert werden. Entscheidend sei vielmehr, die richtigen Rahmenbedingungen zu setzen und unternehmerische Eigenverantwortung zu stärken. Die Busbranche stehe bereit, ihren Beitrag zu leisten und den öffentlichen Verkehr in Deutschland weiter voranzubringen.
Foto: EuroBus/Askin Avas


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