

(lop) Beim RDA geht die Ära Richard Eberhardt zu Ende - am Mittwoch, 19. April, wählen die Mitglieder bei der 66. Jahrestagung in Friedrichshafen einen neuen Präsidenten, da der seit 15 Jahren amtierende Präsident sich nicht mehr zur Verfügung stellt.
Einziger Kandidat: Benedikt Esser, RDA-Vizepräsident, ehrenamtlicher Geschäftsführer des RDA-Workshop Touristik-Service GmbH (WTS) und Geschäftsführer der Busunion in Hürth. EuroBus sprach mit dem Kandidaten über seine Ziele und Ideen.
Herr Esser, Sie haben sich zur Wahl gestellt – was steht bei Ihnen im Fokus im Fall einer erfolgreichen Wahl zum RDA-Präsidenten?
Benedikt Esser: “Sollte ich gewählt werden, sehe ich meinen Auftrag mit 3 Buchstaben überschrieben: RDA. Die Interessen des Verbands und die beiden Messeveranstaltungen in Friedrichshafen und Köln stehen bei mir im absoluten Fokus. Dabei sehe ich es als entscheidend an, dass wir unseren Mitgliedern noch mehr Leistungen bieten und diese im Hinblick auf eine Internationalisierung und auch Digitalisierung weiter intensivieren.“
Welche Themen sehen Sie als Schwerpunkte in der Verbandsarbeit nach außen an?
Benedikt Esser:
“Die gewerbesteuerliche Hinzurechnung des Hoteleinkaufs stellt aus meiner Sicht eine unvergleichliche Belastung dar, die wir als touristischer Verband nicht hinnehmen dürfen. Dabei handelt es sich meiner Meinung nach nicht um ein juristisches sondern um ein rein politisches Problem.
Wir als Verband stehen unseren Mitgliedern und der Branche gegenüber in der Pflicht, unsere guten und überzeugenden Argumente gegen eine gewerbesteuerliche Hinzurechnung des Hoteleinkaufes gebetsmühlenartig immer wieder beim Gesetzgeber vorzutragen, bis dieser schließlich die Sache aus der Welt schafft.
Meine Erfahrung ist, dass nur einige wenige Politiker das Problem überhaupt kennen, das muss sich rasch ändern, wir befinden uns mitten im Bundestagswahlkampf und Aufklärung scheint geboten zu sein. Denn niemand käme auf die Idee, die Holzbohlen des Zimmermanns oder den Mörtel des Mauerers einer gewerbesteuerlichen Hinzurechnung zu unterziehen. Genauso ist es vollständig abwegig, ein solches Verfahren nun für die Hotelnächte des Reiseveranstalters vorzusehen.
Schlicht nicht anwendbar ist es, die Kaltmiete als Besteuerungsgrundlage heranziehen zu wollen, da diese Werte überhaupt nicht vorliegen. Als Folge wird es zu Schätzungen und möglicherweise steuerlicher Willkür sowie etlicher Rechtsverfahren kommen. Eine gerechte und effiziente Steuererhebung setzt belastbare und kontrollierbare Erhebungsgrundlagen voraus. Das ist in diesem Fall nicht gegeben, deshalb ist die Heranziehung der Kaltmiete keine Option.
Sehen Sie dann das zukünftige verbandspolitische Betätigungsfeld des RDA eher in Brüssel als in Berlin?
Benedikt Esser:
“Das muss von Fall zu Fall entschieden werden. Wo wir genau aktiv werden, hängt davon ab, welcher Gesetzgeber und welche Institution dabei jeweils maßgeblich ist. Nicht ich alleine sondern der gesamte Vorstand wird entscheiden, wo wir tätig werden. Ich sehe mich als Teil des Vorstandes und werde meine Leistung in dieses Team für den Verband einbringen. Ich bin kein Freund von Alleingängen und werde mich entsprechend verhalten.
Wie sollte der RDA in der Zusammenarbeit mit den anderen Verbänden positioniert werden?
Benedikt Esser:
“Ich wünsche mir eine freundschaftliche und vertrauensvolle, bestenfalls belastbare Arbeitsebene mit allen Verbänden, die unsere Branche bereichern. Dabei ist es mir ein erstes Anliegen, die Irritationen der Vergangenheit gegenüber dem bdo aufzuarbeiten mit dem Ziel, diese beschriebene Arbeitsebene in angemessener Zeit wieder herzustellen. Ich bin für Gespräche offen und werde diese aktiv suchen. Ich bin zuversichtlich, dass das gelingen kann.
Mit der gbk wünschen wir uns diese freundschaftliche und vertrauensvolle Arbeitsebene auch, wenngleich die Schnittmenge seinerzeit nicht mehr ausreichte, den gemeinsamen Verband IBV fortzuführen. Auch mit der gbk werde ich das Gespräch aktiv suchen, auch hier bin ich zuversichtlich.
Mit dem VPR konnten wir diese Arbeitsebene bereits finden. Das Ergebnis ist die erste gemeinsame VPR/RDA-Party im Rahmen der RDA Group Travel Expo in Köln in diesem Jahr.
Allerdings wünscht der RDA-Vorstand keine institutionellen Verflechtungen mit anderen Verbänden. Der RDA läuft gut, die positive Entwicklung soll so weitergehen.
Würde Ihnen die Doppelfunktion als RDA-Präsident und als Geschäftsführer des RDA Touristik Service - neben Ihrer Arbeit als Geschäftsführer der Busunion - nicht zu viel abverlangen?
Benedikt Esser: “Wie es mit der Geschäftsführung des RDA-Workshop Touristik-Service GmbH weitergeht, die ich ehrenamtlich ausübe, wird der neu gewählte Vorstand in seiner ersten Sitzung entscheiden. Es ist zwar viel Arbeit, doch eine Überbelastung sehe ich derzeit nicht, da die Vorbereitung der beiden Messen saisonal begrenzt ist.
Eine Doppelfunktion kann allgemein gesehen manchmal durchaus sinnvoll sein, da Vorstandsbeschlüsse schneller in die Tat umgesetzt werden können. Generell gilt doch, dass man mehrere Firmen führen kann, wenn man die richtigen Personen im Team hat, die einem qualifiziert zuarbeiten. Und die haben wir im RDA.“
Sie haben Einiges an Neuerungen in Bezug auf den “RDA-Workshop“ eingeführt - welche neuen Ideen und Ziele haben Sie diesbezüglich noch?
Benedikt Esser: “Die Messeveranstaltungen sollen emotionaler werden. Das Reiseprodukt besteht eben nicht nur aus Leistungen und Preisen. Eine Reise ist etwas Wunderbares, etwas Einzigartiges, die Menschen träumen von ihrem nächsten Urlaub, von ihrer nächsten Reise.
Wir sind also Teil einer ganz persönlichen Traumwelt und unsere Aufgabe besteht darin, diese Traumwelt in Köln und Friedrichshafen abzubilden und Wirklichkeit werden zu lassen. Wir werden das mit den Reisewelten realisieren, die wir in 2018 in Köln erstmalig vorstellen werden.
Herr Esser, wir bedanken uns für dieses Gespräch.
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