



Die Meldung hat für viel Aufruhr gesorgt: ADAC und Deutsche Post arbeiten an einem Konzept für ein künftiges deutschlandweites Fernbusnetz. Der bdo reagierte mit Unverständnis und fragte: „Gibt es Briefmarken bald mit „Fernbus-Aufschlag“? Die privaten Busunternehmen vertreten die Auffassung, dass es wenig Sinn macht, wenn eine Bundesbeteiligung (Post) der Anderen (Bahn) jetzt wieder Konkurrenz machen will und die mittelständischen Busunternehmen zuschauen müssen, wie sich ihr Markt unter dem Säbelgerassel der Großen in Rauch auflöst. Harsche bdo-Kritik Aus Sicht der Omnibusunternehmen in Deutschland ist es bedenklich, wenn die Liberalisierung, die den Markt ja für möglichst viele Unternehmen öffnen sollte, durch die finanzielle Macht eines DAX-Konzerns mit großer Staatsnähe ausgehebelt wird. “Mehr als ein Viertel der Aktien der Post liegen bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und damit indirekt beim Bund. Wenn die Politik Märkte liberalisiert und dann zusieht, wie ein ehemaliger Staatskonzernen dick mitmischen will, wird der deutsche Mittelstand in die Röhre schauen“, so bdo-Präsident Wolfgang Steinbrück (Foto) zu den Plänen der Post: „Sollte die Post mit ihren Plänen baden gehen, zahlt dann die Zeche der Briefkunde? Das kann doch nicht sein!“ Auch das traditionsreiche Familienunternehmen HARU Reisen, mit gut 60 Jahren Erfahrung im Fernbusverkehr, fragt sich, warum die Politik zusieht, wie das Kind mit dem Bade ausgeschüttet werden könnte: „Gerade unter dem Aspekt, dass Minister Ramsauer regelmäßig die Chancen für den deutschen Mittelstand in dem neu entstehenden Markt besonders hervorgehoben hat, erscheint die aktuelle Entwicklung diskussionswürdig.“ so Karsten Schulze, geschäftsführender Gesellschafter von HARU Reisen. Wie EuroBus auf Anfrage beim ADAC erfuhr, befindet sich alles noch im Planungsstadium: „Die Entscheidungsgremien bei beiden möglichen Partnern können noch ablehnen“, hieß es gestern beim Automobilclub vor dem Schritt in das freie Unternehmertum. Ob die neue Größe am Fernbusmarkt dann investiert und auf eigene Busse setzen oder Busse im Anmietverkehr einsetzen wird, müsse noch – wie so vieles andere – erst in bereits eingesetzten Arbeitsgruppen erörtert werden. Auch eventuelle Routennetze stünden noch nicht fest. Auf jeden Fall sollten „die wichtigsten Metropolen Deutschlands flächendeckend mit einem neuen, schnellen und hochwertigen Busnetz verbunden werden“. Beim ADAC stünde „Mobilität der Mitglieder an oberster Stelle – ob dies mit dem eigenen Pkw oder anderen Verkehrsmitteln geschieht, ist zweitrangig“, verlautet aus der Öffentlichkeitsarbeit des ADAC. ADAC und Deutsche Post verfügen über eine hervorragende Infrastruktur von Filialen und Geschäftsstellen in ganz Deutschland. Nach eingehender Prüfung wäre ein gemeinsamer Marktstart bereits zu Beginn des Jahres 2014 möglich. Blick nach Schweiz und Österreich Ein Blick in unsere Nachbarländer zeigt, wie sich dort die Post zu einem „Big Player“ im Busmarkt entwickelt hat – zum Teil unter historisch anderen Bedingungen. Dieser Tage ist beispielsweise der 500ste Mercedes-Benz Citaro an die PostAuto Schweiz AG ausgeliefert worden. Die PostAuto Schweiz AG befördert jährlich mehr als 120 Millionen Passagiere. Mit mehr als 3300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und einem Fuhrpark von mehr als 2100 Fahrzeugen – davon 1/3 Mercedes-Benz Fahrzeuge – ist PostAuto das führende Busunternehmen im Öffentlichen Verkehr der Schweiz. In Österreich ist Postbus das größte Busunternehmen der Republik und betreibt den Großteil des Überlandbus-Netzes. Postbus gehört seit 2003 zum ÖBB-Konzern (ÖBB). Der operative Betrieb ist seit Oktober 2004 in Form der ÖBB-Postbus GmbH organisiert. Die ÖBB-Postbus GmbH betreibt fast 2100 Busse und beschäftigt fast 4000 Mitarbeiter. Dazu kommen noch ca. 170 Busse in den Tochterunternehmen in Österreich und Tschechien sowie die Busse der Subunternehmer in ganz Österreich. Die Busse legen jährlich 140 Millionen Fahrzeugkilometer auf fast 30.000 Routen zurück und befördern dabei 238 Millionen Fahrgäste. Der mittlere Jahresumsatz liegt bei 351 Millionen Euro. Partner Post und ADAC in Deutschland Mit Bekanntwerden der geplanten Marktöffnung hatte die Deutsche Post mit der Prüfung einer Ausweitung ihrer Geschäftstätigkeit in diesem Bereich begonnen. Bei der Suche nach einem möglichen Partner war der ADAC als der führende Mobilitätsdienstleister in Deutschland erste Wahl, der die typischen Werte der Deutschen Post wie Zuverlässigkeit, Qualität und Schnelligkeit hervorragend ergänzt. Ein gemeinsames Team aus Mobilitätsexperten beider Unternehmen hat inzwischen ein Konzept entwickelt, das in den Gremien des Clubs und der Deutschen Post diskutiert wird. Jürgen Gerdes, Konzernvorstand BRIEF bei Deutsche Post DHL, unterstreicht: „Die Zeit ist reif für eine preisgünstige, sichere und komfortable Mobilitätsalternative. Die Deutsche Post steht wie kein anderes Unternehmen für flächendeckende Präsenz und Zuverlässigkeit sowie Know-how im Transport und im Fuhrparkmanagement – beste Voraussetzungen also, um im Fernbusmarkt erfolgreich zu sein. Dass wir dafür einen so renommierten und in Mobilitätsfragen erfahrenen Partner wie den ADAC gewinnen konnten, freut uns umso mehr. “ Der Vorsitzende der Geschäftsführung des ADAC, Dr. Karl Obermair, bezeichnet die Liberalisierung des deutschen Fernbusmarktes als eine der wichtigsten verkehrsinfrastrukturellen Zäsuren der vergangenen Jahre. Für die individuelle Mobilität der Bürger ergeben sich seiner Meinung nach mit einem attraktiven Fernbusnetz künftig neue, vor allem preisgünstige Alternativen zu Pkws, Zügen und Flugzeugen. Der Club sieht darin für seine Mitglieder eine riesige Chance und Perspektive. Dr. Karl Obermair: „Es ist für den ADAC folgerichtig, mit der Deutschen Post einen unternehmerischen, langfristigen Einstieg in den Fernbusmarkt zu prüfen und ein attraktives Angebot für die Verbraucher zu entwickeln.“ Deutsche Post Die Deutsche Post ist Europas größter Postdienstleister, der Marktführer im deutschen Brief- und Paketmarkt und hat eine führende Position im internationalen Briefverkehr. Mit der starken Marke Deutsche Post baut das Unternehmen seinen Status als „Die Post für Deutschland“ weiter aus. Das Portfolio reicht von standardisierten Produkten bis hin zu maßgeschneiderten Lösungen für Privat- und Geschäftskunden in den Bereichen Briefkommunikation, Dialogmarketing und Pakettransport. Die Deutsche Post wird die Verknüpfung von physischer und elektronischer Kommunikation weiter vorantreiben und so ihre Stellung als umfassender Dienstleister für sichere, einfache und zuverlässige Kommunikation ausbauen. Deutsche Post ist Teil des Konzerns Deutsche Post DHL. Die Gruppe erzielte 2011 einen Umsatz von 53 Milliarden Euro. ADAC Der ADAC ist mit derzeit über 18 Millionen Mitgliedern der größte Automobilclub in Europa und der zweitgrößte in der Welt. Die vier Buchstaben stehen für einen Verein, der seinen Mitgliedern rund um die Uhr Hilfe, Schutz und Rat bietet und sich als Interessenvertreter der Autofahrer für alle Themen rund um die Mobilität stark macht. Er engagiert sich besonders auf den Gebieten Straßenverkehr, Verbraucherschutz, Verkehrssicherheit und Verkehrserziehung.