REFORM DER FAHRSCHULAUSBILDUNG BDO und VDV: Fahrschulreform ist Fortschritt, aber kein Endpunkt

Die geplante Reform der Fahrschulausbildung stößt in der Busbranche auf breite Zustimmung. Sowohl der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmen (BDO) als auch der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) bewerten die Vorhaben der Bundesregierung als wichtigen Schritt, um den Zugang zum Fahrerberuf einfacher, flexibler und weniger bürokratisch zu gestalten.

BDO-Hauptgeschäftsführerin Christiane Leonard und VDV-Hauptgeschäftsführer Oliver Wolff.
Foto: BDO; VDV
7 min Lesezeit

Beide Verbände sehen darin eine Chance, Ausbildungskosten zu senken, Verfahren praxisnäher auszurichten und die Gewinnung dringend benötigten Fahrpersonals zu erleichtern. Zugleich machen BDO und VDV deutlich: Die Reform darf nicht beim Führerscheinerwerb stehen bleiben. Entscheidend sei, Doppelstrukturen zwischen Fahrerlaubnisausbildung und Berufskraftfahrerqualifikation abzubauen und den gesamten Berufszugang neu zu denken.

BDO: Berufszugang muss als Gesamtsystem betrachtet werden

Der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmen begrüßt, dass das Bundesministerium für Verkehr die Reform der Fahrschulausbildung mit zwei Vorhaben in die Verbändeanhörung gegeben hat: einem Referentenentwurf zur Änderung des Fahrlehrergesetzes und weiterer straßenverkehrsrechtlicher Gesetze sowie einer Verordnung zur Modernisierung der Fahrschulausbildung. Der BDOhat dazu Stellung genommen und bewertet den Reformansatz grundsätzlich positiv.
Für das private Omnibusgewerbe geht es dabei um weit mehr als um technische Anpassungen im Fahrschulrecht. Im Kern stehe die verkehrspolitische Frage, wie der Zugang zum Fahrerberuf schneller und bezahlbarer werden könne, ohne Abstriche bei der Verkehrssicherheit zu machen, so der BDO. Genau an dieser Stelle sieht der BDO den Entwurf des Bundesverkehrsministeriums auf dem richtigen Weg.

Positiv bewertet der Verband insbesondere mehrere praktische Erleichterungen: digitale Lernformate, eine flexiblere praktische Ausbildung, den Abschied von einer starren Pflichtstundenlogik, den Einsatz von Simulationen sowie kürzere Prüfungszeiten. Diese Punkte seien für die Praxis entscheidend. Der Führerschein sei für die Busbranche nicht nur ein Mobilitätsversprechen, sondern die „Eintrittskarte“ in den Beruf des Berufskraftfahrers – und damit ein zentraler Baustein zur Sicherung der Mobilität in Deutschland.

Aus Sicht des BDO liegt ein wesentlicher Vorteil der Reform darin, dass sie mit über Jahre gewachsenen starren Strukturen bricht. Der Verband betont, Verkehrssicherheit und Entbürokratisierung seien keine Gegensätze. Ein modernes, kompetenzorientiertes Ausbildungssystem könne Sicherheit gewährleisten und zugleich unnötige Kosten, Wartezeiten und Doppelstrukturen abbauen.

Gleichzeitig warnt der BDO davor, die Reform isoliert zu betrachten. Die Fahrschulreform sei Teil eines größeren politischen Reformfensters, zu dem auch die laufende Novelle der Berufskraftfahrerqualifikation gehöre. Es reiche nicht aus, den Führerscheinerwerb moderner und günstiger zu machen, wenn der berufliche Einstieg in den Bus weiterhin durch parallele Systeme, mehrere Termine und verschiedene Nachweise erschwert werde. Wer den Fahrermangel ernsthaft bekämpfen wolle, müsse den Berufszugang als Gesamtsystem betrachten.

Der Verband spricht deshalb von einem „echten Reformimpuls“ und begrüßt, dass Bundesverkehrsminister Schnieder an einer lange vernachlässigten Stelle ansetzt. Die Linie „digitaler, bürokratieärmer, näher an europäischen Mindestvorgaben“ sei für die Branche richtig. Trotz dieser positiven Gesamtbewertung sieht der BDO jedoch weiteren Handlungsbedarf.

Im Mittelpunkt steht die Forderung nach einer sogenannten 2-in-1-Verzahnung. Die praktische Fahrerlaubnisprüfung der Klassen C/C1 und D/D1 sowie der praktische Prüfungsteil der Grundqualifikation sollten nach Vorstellung des BDO auf Antrag in einem gemeinsamen Prüfungstermin verbunden werden können. Die Inhalte beider Systeme müssten vollständig geprüft, aber getrennt bewertet und dokumentiert werden. Aus Sicht des Verbandes würde dies keine Standards senken, sondern Doppelstrukturen beseitigen.

Zudem fordert der BDO einen konsequenter geöffneten Sprachzugang in der Berufskraftfahrerqualifikation. Fremdsprachige Prüfungs- und Unterrichtsmöglichkeiten sollten nicht nur bei der beschleunigten Grundqualifikation zugelassen werden, sondern auch bei der klassischen Grundqualifikation. Der Verband begründet dies mit den Anforderungen des Fahrerarbeitsmarktes: Es brauche praxistaugliche Lösungen, die Integration ermöglichten, ohne fachliche Standards abzusenken.

Als dritten zentralen Punkt nennt der BDO die Theorieprüfung der Grundqualifikation. Diese müsse entschlackt und stärker an den unionsrechtlichen Mindeststandard herangeführt werden. Ziel sei ein Prüfungsformat, das rechtssicher, verständlich und effizient bewertbar ist. Der Verband kündigt an, beide Verfahren weiter eng zu begleiten und gegenüber Bund und Ländern deutlich zu machen, dass die Richtung stimme – der „letzte Meter“ aber entscheidend sei.

VDV: Weniger Bürokratie und mehr Flexibilität

Auch der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen begrüßt den Beschluss des Bundeskabinetts zur Reform der Fahrschulausbildung. Der Beschluss geht auf eine Initiative des Bundesverkehrsministeriums zurück. Aus Sicht des VDV ist die vorgesehene Modernisierung ein wichtiger Schritt, um Ausbildung und Zugang zum Fahrerberuf praxisnäher, flexibler und weniger bürokratisch zu gestalten. Das könne dazu beitragen, die Ausbildungskosten für Verkehrsunternehmen zu senken und die Gewinnung von Fahrpersonal zu erleichtern.

VDV-Hauptgeschäftsführer Oliver Wolff bewertet die Entscheidung der Bundesregierung als wichtiges Signal: „Dass die Bundesregierung die Reform der Fahrschulausbildung jetzt auf den Weg bringt, ist ein richtiges und wichtiges Signal. Eine Vereinfachung und Entbürokratisierung der Ausbildung hilft den Verkehrsunternehmen ganz konkret dabei, Prozesse effizienter zu organisieren, dadurch Kosten zu senken und den Einstieg in den Fahrerberuf zu erleichtern.“

Der VDV hatte die Reform bereits in seiner offiziellen Stellungnahme grundsätzlich positiv bewertet. Zugleich macht der Verband deutlich, dass die jetzt angestoßenen Änderungen aus Branchensicht nur ein erster Schritt sein können. Weitere Verbesserungen seien notwendig, um die Ausbildung insgesamt noch stärker am praktischen Bedarf der Unternehmen auszurichten.

Besonders wichtig ist dem VDV – ähnlich wie dem BDO – eine stärkere Verzahnung von Führerscheinausbildung und Berufskraftfahrerqualifikation. Damit zielt der Verband auf bestehende Doppelstrukturen, die aus Sicht der Branche den Einstieg in den Fahrerberuf unnötig erschweren und verteuern. Oliver Wolff formuliert es so: „Die heutige Entscheidung ist ein Fortschritt. Klar ist aber auch: Wenn wir den Fahrerberuf attraktiver machen und mehr Menschen für diese wichtige Tätigkeit gewinnen wollen, dann brauchen wir weitere Reformschritte. Dazu gehört vor allem, bestehende Doppelstrukturen in der Ausbildung abzubauen und Verfahren insgesamt noch praxistauglicher auszugestalten.“

Aus Sicht des VDV kommt es nun darauf an, die angekündigten Änderungen des Gesetzes und der Verordnung zügig durch Bundestag und Bundesrat umzusetzen. Gerade vor dem Hintergrund des anhaltenden Personalbedarfs im öffentlichen Verkehr seien einfachere, verlässlichere und wirtschaftlich tragfähigere Ausbildungsstrukturen von zentraler Bedeutung.

Aktuelle Ausgaben

EuroBus April Teil 1 2026

Reisetipp April 2026