ENERGIE TREIBT PREISE: RDA fordert Energiepreispauschale wie im Jahr 2022

Auf der RDA Group Travel Expo 2026 wurde deutlich: Die Bus- und Gruppentouristik bleibt stabil, steht jedoch durch stark gestiegene Energie- und Treibstoffkosten sowie eine spürbare Zurückhaltung der Verbraucher unter erheblichem Druck. RDA-Präsident Benedikt Esser und Vizepräsident Uli Basteck fordern deshalb gezielte politische Entlastungen, um Kaufkraft, Planungssicherheit und Nachfrage in der Branche nachhaltig zu stärken.

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Die Bus- und Gruppentouristik steht unter erheblichem wirtschaftlichem Druck – das wurde auf der RDA Group Travel Expo noch einmal deutlich, die am 28. und 29. April 2026 in Köln stattfand. Im Rahmen eines Pressegesprächs ordneten RDA-Präsident Benedikt Esser und RDA-Vizepräsident Uli Basteck die aktuelle Lage ein und formulierten klare Forderungen an die Politik.

Die Messe selbst präsentierte sich dabei als stabiler Branchentreffpunkt. Mit 381 Ausstellern (+13 % mehr als 2025) aus 26 Nationen und rund 1.800 erwarteten Fachbesuchern war die Veranstaltung bereits im Vorfeld ausgebucht und verzeichnete nach Angaben des RDA ein Besucherplus von zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bereits am ersten Tag waren laut RDA 1.083 Besucher auf der Messe.

Im Fokus der inhaltlichen Debatten stand die angespannte wirtschaftliche Lage. Vor allem die stark gestiegenen Energie- und Treibstoffkosten belasten die Unternehmen erheblich. Im Pressegespräch machte der RDA deutlich, dass die Dieselpreise im Einkauf zuletzt um bis zu 50 bis 55 Cent pro Liter gestiegen sind. Für einzelne Unternehmen bedeute dies Mehrkosten von rund 50.000 Euro pro Monat, so der Verband. Um diese Belastung aufzufangen, geben viele Anbieter die Kosten zumindest teilweise an ihre Kunden weiter. Wie Benedikt Esser und Uli Basteck erläuterten, haben rund zwei Drittel der Unternehmen entsprechende Zuschläge eingeführt oder planen dies. Im Durchschnitt liegen diese bei etwa drei bis dreieinhalb Euro pro Reisetag und Person – für Reisende eine vergleichsweise geringe Anpassung, für die Unternehmen jedoch betriebswirtschaftlich notwendig.

Gleichzeitig treffe diese Kostenentwicklung auf eine spürbare Zurückhaltung der Verbraucher. Während längere Reisen wie Rund- und Studienreisen sowie Kreuzfahrten weiterhin stabil nachgefragt würden, zeige sich insbesondere bei Kurz- und Wochenendreisen ein deutlicher Rückgang, erklärte Uli Basteck. Die Branche erlebt aktuell eine Verschiebung im Reiseverhalten; der Haupturlaub bleibt bestehen, zusätzliche Reisen werden häufiger gestrichen. In diesem Zusammenhang ist auch von einem möglichen „Spätbucherjahr“ die Rede. Unternehmen setzen darauf, dass kurzfristige Buchungen – etwa bei besserer Wetterlage oder einer Entspannung geopolitischer Unsicherheiten – zusätzliche Nachfrageimpulse bringen könnten.

Zusätzliche Unsicherheit entstehe durch die Energieversorgung selbst, sagte Esser. Es bestehe die Sorge, dass es auf europäischen Routen zu Einschränkungen bei der Kraftstoffversorgung kommen könnte – mit möglichen Folgen für die Durchführung von Rundreisen und die Planungssicherheit der Unternehmen.

Vor diesem Hintergrund übten RDA-Präsident Benedikt Esser und Vizepräsident Uli Basteck deutliche Kritik an der aktuellen Wirtschaftspolitik. Die Bundesregierung

reagiere auf die Krise, agiere aber nicht vorausschauend, so die Einschätzung. Insbesondere der Tankrabatt wird vom Verband als systematisch problematisch bewertet. Seine Wirkung hänge davon ab, ob Mineralölkonzerne die Entlastung tatsächlich weitergeben. Eine verlässliche Senkung der Kosten sei dadurch nicht gewährleistet.

Auch die diskutierte 1.000-Euro-Prämie wird kritisch gesehen, da sie aus Sicht des RDA falsche Erwartungen bei Beschäftigten wecke und letztlich von den Unternehmen getragen werden müsse. Der Verband fordert stattdessen eine Energiepreispauschale wie im Jahr 2022 als zentrales Instrument zur Entlastung . Diese solle direkt bei den Verbrauchern ansetzen, unabhängig vom individuellen Mobilitätsverhalten wirken und insbesondere auch Haushalte ohne eigenes Auto einbeziehen.

Nach Einschätzung des RDA könnte eine solche Maßnahme dazu beitragen, die derzeitige Konsumzurückhaltung zu überwinden und die Nachfrage im Tourismus wieder zu beleben. Gerade für die Bus- und Gruppentouristik, deren Kundschaft zu einem großen Teil aus älteren Menschen mit begrenzten Einkommen besteht, sei eine gezielte Stärkung der Kaufkraft entscheidend – insbesondere für das derzeit schwächelnde Kurzreisesegment, verdeutlichet Esser.

Neben den aktuellen Belastungen wurde auf der Pressekonferenz auch die strukturelle Rolle des Reisebusses hervorgehoben. Busreisen konnten ihren Marktanteil zuletzt stabil halten und gelten weiterhin als vergleichsweise energieeffizientes Verkehrsmittel. Mit einem Verbrauch von etwa einem halben bis dreiviertel Liter Diesel pro Person und 100 Kilometer liegt der Reisebus deutlich unter dem Verbrauch anderer Verkehrsträger. Steigende Kosten im Flugverkehr könnten zudem langfristig zu veränderten Reisegewohnheiten führen und die Nachfrage nach Busreisen erhöhen.

Benedikt Esser und Uli Basteck machten deutlich, dass die Branche zwar stabil aufgestellt ist, jedoch unter erheblichem wirtschaftlichem Druck steht. Entscheidend werde sein, ob politische Maßnahmen die Kostenbelastung abfedern und neue Nachfrageimpulse setzen.

Bildunterschrift:

v.re.: Uli Basteck, RDA-Vizepräsident; Benedikt Esser, RDA-Präsident, Petr Soukup, Direktor der Tourismuszentrale Südböhmen, Jan Opatrny, Geschäftsführer der Firma BFS die Gruppe Touristik GmbH.

Foto: EuroBus/Askin Avas

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